Stadt Reutlingen

- © ARobert Babiak / PIXELIO
Die einstige Freie Reichsstadt Reutlingen wird auch als “Tor zur Schwäbischen Alb” bezeichnet. Mit etwa 113 000 Einwohnern gilt Reutlingen als jüngste Großstadt Baden Württembergs. Die Kreisstadt und zugleich größte Stadt der Region befindet sich im Herzen des Bundeslandes. Überregionale Bedeutung genießt Reutlingen als Einkaufsstadt. Entlang der belebten Wilhelmstraße bleiben keine Shoppingwünsche offen. Zunft- und Geschäftshäuser prägen das Stadtbild und zeugen von der einstigen Blüte des Gerber- und Färberhandwerks. Heute genießt Reutlingen Ansehen als größtes Wirtschaftszentrum zwischen dem Bodensee und der Metropole Stuttgart. Es dominieren der Maschinenbau und die Elektroindustrie. Aber auch das Handwerk spielt weiterhin eine führende Rolle. Mit dem Dienstleistungs-Park Orschel, dem Gewerbegebiet Sickenhausen und Reutlingens zentralem Industriegebiet In Laisen verfügt die Stadt über moderne Industriestandorte. Reutlingen setzt auf Tradition, öffnet sich aber auch dem internationalen Markt. So weißt die “European School of Business” klar in die Zukunft.
Von sich reden macht Reutlingen auch als “Stadt der Sturmböcke”. Aufmerksame Beobachter werden neben der Marienkirche einen Sturmbock entdecken, welcher beim Kirchenbau als Längenmaß gedient hatte. Im Foyer des Rathauses befindet sich die moderne Antwort des regionalen Künstlers HAP Grieshaber auf die mittelalterlichen Sturmböcke. Er versah einen Stamm aus afrikanische Wäldern auf 13 Metern Länge mit Szenen aus der Stadtgeschichte. Reutlingen profitiert aus touristischer Sicht von seiner günstigen Lage am Rand der Schwäbischen Alb. Besuchern öffnet sich eine vielfältige Erlebnislandschaft mit großartigen Baudenkmälern, reizvollen Naturlandschaften, liebenswerten Ortschaften und Attraktionen für die ganze Familie.
Geografie und Anreise
Das Stadtgebiet Reutlingens erhebt sich auf einer Schotterterrasse, rechts des Flüsschens Echaz. Das Echaztal wird flankiert von den sanften Höhenzügen der Schwäbischen Alb. Höchste Erhebung Reutlingens ist mit 706 Metern der Zeugenberg
Achalm. Reutlingens Hausberg garantiert bei günstiger Witterung Ausblicke bis in den Schwarzwald. Zusammen mit der benachbarten Universitätsstadt Tübingen bildet Reutlingen eines von 14 Oberzentren Baden Württembergs. Die Landeshauptstadt Stuttgart befindet sich 30 Kilometer nördlich des Stadtgebietes. 60 Kilometer südwärts erreicht man die alte Reichsstadt Ulm. Der geografisch niedrigste Punkt Reutlingens wird mit 290 Metern in der Mittelstadt erreicht. Das Stadtgebiet gliedert sich in den Kernbereich und zwölf Stadtteile, welche aus einstigen Gemeinden hervorgingen, die zwischen 1907 und 1975 eingemeindet wurden.
Reutlingen besitzt eine ausgezeichnete Infrastruktur und ist bequem zu erreichen. Der Flughafen Stuttgart ist zwanzig Autominuten vom Stadtgebiet entfernt. Für schnelle Anreisewege sorgt der Shuttleservice des Flughafens. Autofahrer folgen der A8 bis zur Ausfahrt Stuttgart-Möhringen und fahren dann auf der B27 weiter. Aus westlicher Richtung ist die Stadt über die Autobahn A81 zu erreichen. Man fährt in Herrenberg ab und gelangt auf der B28 über Tübingen nach Reutlingen.
Geschichte
Es wird vermutet, dass das Stadtgebiet Reutlingens bereits im 4. Jahrhundert besiedelt war. 1030 errichtete Graf Egino auf der Achalm eine Burganlage, welche im 30jährigen Krieg gänzlich zerstört wurde und heute nur noch in Fundamenten erkennbar ist. Erstmals in den Geschichtsbüchern Erwähnung findet Reutlingen 1090 im Bempflinger Vertrag. Friedrich Barbarossa verleiht Reutlingen 1180 das Marktrecht. Die Anerkennung der Stadtrechte folgten 60 Jahre später. Die Siedlung wurde militärisch befestigt und erlangte den Status einer Freien Reichsstadt. Im 14. Jahrhundert galt der Weinbau als bedeutender Wirtschaftszweig. Die Huser genannten Winzer trotzten dem rauen Klima. Heute hat sich der Weinbau beinahe gänzlich aus der Stadt zurückgezogen. Im Jahre 1519 machte Pfarrer Matthäus Alber Reutlingen zu einem Zentrum der evangelischen Glaubenslehre. Der Geistliche vertrat die Lehren Martin Luthers und trug den Beinamen “Luther Schwabens”. 1530 bekannte sich Reutlingen als einzige Freie Reichsstadt Süddeutschlands, neben Nürnberg, zum lutherischen Glauben. Als größte Katastrophe in der Stadtgeschichte gilt der Stadtbrand von 1726, welcher mehr als 80% aller Gebäude Reutlingens vernichtete und 1 000 Familien obdachlos werden ließ. 1802 erfolgt der Anschluss Reutlingens an das Herzogtum Württemberg und die Stadt wurde Sitz eines Dekanats der Evangelischen Landeskirche Württembergs. Der Status der Freien Reichsstadt ging mit diesem Datum verloren. Im ausgehenden 19. Jahrhundert begann die Industrialisierung Reutlingens und die Arbeiterbewegung erstarkte. 1933 entwickelte sich Reutlingen zu einer Hochburg der NSDAP und wurde 1936 Garnisonsstadt. Es entstand ein Lager für 4 000 Zwangsarbeiter. Um einer Zerstörung Reutlingens zu verhindern, übergibt der spätere Bürgermeister Oskar Kalbfell 1945 die Stadt den Französischen Besatzungsmächten. 1956 wird Reutlingen zur Großen Kreisstadt erklärt.